Wenn man, wie ich in einer Schweizer Altstadt wohnt und dieser Tage über Hitze stöhnt, bekommt man oft die Antwort: «Es ist halt Sommer». Doch ganz so einfach ist es nicht.
«Urban Heat Island»
Besonders in historischen Altstädten nimmt die Hitzebelastung massiv zu. Grund ist der sogenannte «Städtische Hitzeinsel-Effekt» (englisch: «Urban Heat Island»). Dieser wirkt sich besonders in Altstädten aus. An Sommertagen kann die gefühlte Temperatur dadurch oft 10 bis 20 Grad über der des unbebauten Umlandes liegen.

Der Grund liegt an der historischen Bauweise dieser Altstädte. Die Häuser bestehen fast vollständig aus Stein, die Strassen sind zu annähernd 100% mit Pflastersteinen (und Asphalt) versiegelt. Zudem haben die Häuser oft dunkle Dächer und massive Steinmauern. Im Sommer absorbieren und speichern sie die Wärme tagsüber, nachts geben sie sie wieder ab. Eine Abkühlung der Altstadt erfolgt nur minim und weit geringer als im Umland.

Schattenspendende und somit kühlende Bäume, Sträucher, Wiesen und Pflanzen fehlen oft in Altstädten. Zudem erschwert die dichte historische Bebauung eine kühlende Windzirkulation der Luftmassen aus dem Umland.
Ein Blick in den grossen, nördlichen Kanton
Ein Blick ins Nachbarland Deutschland zeigt, was auch Schweizer Altstädte erwartet. Laut Techem Hitzeatlas Deutschland weisen Städte wie Speyer, Heidelberg oder Mannheim sowohl die höchsten Absoluttemperaturen als auch den steilsten Hitzeanstieg der letzten 45 Jahre auf.

Es macht also durchaus Sinn, darüber nachzudenken, wie man die sommerlichen Temperaturen in Altstädten senken und dauerhaft stabil halten kann. Das Greenfranchise Lab möchte auch dazu seinen Beitrag leisten. Wir suchen aktiv nach innovativen und nachhaltigen Leuchtturm-Ideen und Praxisbeispielen, die als Konzept skalierbar und auf andere Schweizer Altstädte übertragbar sind.
Umgebungsluft in Altstädten herunterkühlen
Heute geht es darum, wie man die Umgebungsluft in Altstädten kreativ und nachhaltig für die Einwohner:innen und Tourist:innen herunterkühlen kann. Wir haben ein Beispiel im französischen Strasbourg gefunden, das grosses Nachahmungs-Potenzial aufweist. Hier wurde beeindruckend in der sommerlichen Altstadt eine kühlende Oase errichtet.

Übersetzung des französischen Textes: CANOPY PLAN
«Genießen Sie diese kühle Oase! Die Konstruktionen werden in unseren städtischen Werkstätten aus lokalem, PEFC-zertifiziertem Holz gefertigt und sind wiederverwendbar.
Jede Sprühnebel-Einheit verbraucht 1,2 Liter Wasser pro Stunde – das ist 7,5-mal weniger als eine einzige Toilettenspülung. Die Blumen und Kletterpflanzen stammen aus den Gewächshäusern der Orangerie. Alle Bäume werden im Rahmen des „Canopy Plan“ im Herbst neu gepflanzt. Zehntausend Bäume in zehn Jahren.»

Feedback erwünscht!
Freue mich über eure Meinung.
Thomas Matla, Greenfranchise Lab

