«Green-City-Franchising»

Der überwiegende Teil der Weltbevölkerung lebt in Städten. Diese sind für über 75% der CO2-Emissionen verantwortlich. Damit sind Städte Problemfelder. Doch sie könnten auch Teil der Lösung sein. Dafür müssen wir sie neu denken. Das schrieben wir vor 14 Jahren in unserem Fachbuch «Green Franchising», Veronika Bellone & Thomas Matla, mi-Wirtschaftsbuch 2012.

Wie wollen wir zukünftig in unseren Schweizer Altstädten leben? (Teil 3)

Schwyz © Bellone Franchise Consulting GmbH
Schwyz © Bellone Franchise Consulting GmbH

Das fragen wir uns aktuell in unserem Greenfranchise Lab. Wie kann man Schweizer Altstädte zukunftskompatibel machen? Wie kann man sie resilient gegen die Auswirkungen des Klimawandels gestalten? Wie kann man ihren Nutzen für die Einwohner:innen und die Besuchenden erhöhen? Welche Rollen können Kultur und (Fahrrad-)Mobilität in Altstädten spielen? Gibt es dafür Vorbilder in der Schweiz? Kann man diese dokumentieren, messen, analysieren, bewerten, ranken und standardisieren, um sie zu kopieren?

Velo Station Basel © Bellone Franchise Consulting GmbH
Velo Station Basel © Bellone Franchise Consulting GmbH

«Eco Cities» als weltweite Leuchttürme

Als Diskussionsbeitrag und Anregung möchte ich hier ein kurzes Schlaglicht auf unser Kapitel «Green-City-Franchising» in unserem Buch «Green Franchising» werfen (ist im Handel als E-Book erhältlich).

GREEN FRANCHISING von Veronika Bellone & Thomas Matla, mi-Wirtschaftsbuch 2012 © Bellone Franchise Consulting GmbH
GREEN FRANCHISING von Veronika Bellone & Thomas Matla, mi-Wirtschaftsbuch 2012 © Bellone Franchise Consulting GmbH

Wir beschäftigten uns in einem Kapitel im Buch mit den Städten Masdar in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Dongtan im chinesischen Shanghai, Curitiba im brasilianischen Bundesstaat Parana sowie Kopenhagen im europäischen Dänemark.

Masdar, Vereinigten Arabische Emirate

In Masdar beeindruckte uns das auf Nachhaltigkeit angelegte Stadtexperiment mit u.a. dem Einsatz von Photovoltaik und Erdwärme, der Wertstoffaufbereitung und dem Einsatz von elektrischen Fortbewegungsmitteln. Zudem das Joint Venture zwischen dem Massachusetts Institut of Technology (M.I.T) und der Regierung Abu Dhabis, das Masdar Institut of Science and Technology (M.I.S.T.).

Dongtan, Shanghai

Dongtan, Shanghai galt bereits 2012 als abgeschlossenes Stadtexperiment einer Null-Emissions-Ökostadt. Die Planung dafür begann 2005 von der Shanghai Industrial Investment Corporation (SIIC) für die Expo 2010. Die Themen lauteten hier: Nachhaltige Energieversorgung für 500.000 Menschen durch Solar Panels, Windkraftwerke und Biomassetreibstoffe. 400 solcher Städte für 300 Millionen Menschen benötigte China. Leider wurde das Experiment noch vor der Expo gestoppt.

Curitiba, Brasilien

Die Hauptstadt Curitiba des brasilianischen Bundesstaates Parana, die ich selbst besuchen konnte, ist mehr ein fortlaufendes Entwicklungslabor als ein Stadtexperiment. Curitiba führte 2012 den weltweiten Green City Index an. Der Green City Index wurde als Studie von Siemens in Auftrag gegeben und von der Economist Intelligence Unit (EIU) durchgeführt. Curitiba war die einzige Stadt, die in allen gemessenen Parametern über dem Durchschnitt lag, in den Bereichen Luftqualität und Abfall sogar konkurrenzlos an der Spitze.

Die Messkategorien

Energie und CO2, Transport, Wasser, Luftqualität, Landgebrauch und Gebäude, Abfall, Sanitär und Umweltrichtlinien. Im Grossraum Curitiba lebten 3,5 Millionen Menschen. Für sie wurde das spezielle Nahverkehrssystem «Bus Rapid Transit-System» entwickelt. Als Wissensknoten wurde 1991 am nationalen Tag der Umwelt die Universidade Livre do Meio Ambiente, eine freie Umwelt-Universität, gegründet, die seit 1992 eine NGO ist. Seit dieser Zeit gilt Curitiba als Capital Ecologica. Vom französischen Ozeanografen und Wissenschaftler Jacques Cousteau, der sie besuchte, stammt das Statement: «Ich habe niemals eine Initiative vergleichbar der in Curitiba gesehen, ein Beispiel, das weltweit kopiert werden sollte.» Das gilt auch für sie seit 2009 streng durchgeführten Co2-Messungen im gesamten Stadtgebiet.

Kopenhagen, Dänemark

Kopenhagen stand damals an der Spitze des europäischen Green City Index. Es wurden für den Index 30 europäische Städte aus 30 verschiedenen Ländern auf 30 Nachhaltigkeitsfaktoren untersucht. Überraschend ist die Leitfunktion nicht, gehört Kopenhagen doch zu den C 40 Cities, einer Gruppe von Städten weltweit, die sich verpflichten, den Klimawandel konsequent zu bekämpfen. Kopenhagen gilt als führende Fahrradstadt Europas, verfügt aber auch über einen bestens ausgebauten Nahverkehr und öffentliche Fussgängerbereiche. Interessant ist der konsequente Einbezug der Einwohner:innen in Planungen und Entscheidungen. Übrigens ist Dänemark bei internationalen Umfragen zur Lebenszufriedenheit traditionell an der Spitze.

Inspirationen und Blaupausen

Sicherlich können die Bezüge zum weltweiten Green City Index nur zum Thema Altstädte hinführen und dafür sensibilisieren. Für Schweizer Altstädte müssten neue und eigene Prüfkriterien entwickelt und getestet werden. Dass es sich sowohl für die Gemeinden, die Einwohner:innen, Besucher:innen und das Handwerk, also für die Gesellschaft, die Wirtschaft, den Tourismus wie die Umwelt lohnen kann das zumindest zeigen die internationalen Blaupausen.

Feeback erwünscht

Thomas Matla © Bellone Franchise Consulting GmbH
Thomas Matla © Bellone Franchise Consulting GmbH

Wie wollen wir zukünftig in Schweizer Altstädten leben?

Ich freue mich über euer Feedback!

Thomas Matla, Dipl.Kommunikationswirt

tm @greenfranchiselab.com

www.greenfranchiselab.com

 

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